Die Bundesregierung - ein frauenpolitischer Totalausfall

SPD-Fraktionsvizin Dagmar Ziegler und die frauenpolitische Sprecherin Caren Marks eröffneten den Abend. Ein Jahr nach dem hundertsten Jubiläum des Internationalen Frauentages zeige sich immer deutlicher, dass die schwarz-gelbe Bundesregierung in der Frauenpolitik absolut versage, sagte Ziegler. Ministerin Schröder sei keine Frauenministerin, deshalb müssten die Sozialdemokratinnen nach der Bundestagswahl „diese Leerstelle besetzen“. Im „Schneckentempo“ gehe es mit schwarz-gelb rückwärts, sagte Caren Markts.

SPD fordert: mehr Frauen in Führungspositionen und gleichen Lohn für gleiche Arbeit

Marks verwies auf die kürzlich von EU-Kommissarin Viviane Reding benannte Notwendigkeit von gesetzlichen Regelungen für eine Frauenquote in Vorständen und Aufsichtsräten von Unternehmen. Dazu habe die SPD-Fraktion  einen Gesetzentwurf zur Förderung von Chancengleichheit in Unternehmen beschlossen. Die SPD wolle gesetzliche Regelungen. Die schwarz-gelben Ministerinnen Schröder (CDU), von der Leyen (CDU) und Leutheusser-Schnarrenberger täten nichts und die Kanzlerin wolle auch nicht handeln, beklagte Marks.  Außerdem arbeite die SPD-Fraktion an einem weiteren Gesetzentwurf, um endlich „gleichen Lohn für gleiche und gleichwertige Arbeit“ in Deutschland durchzusetzen. Die SPD sei in der Frauenpolitik gut aufgestellt und habe „für die Regierungsübernahme die Gesetzentwürfe in der Tasche“

Eine stärkere Beteiligung von Frauen braucht gesetzliche Regelungen

Veranstaltungen zum Frauentag würden immer normaler, so begann die Vorsitzende des ver.di-Bezirks Berlin-Brandenburg, Susanne Stumpenhusen, ihr Grußwort. „Früher gab es nur einige männliche Orchideen, jetzt sei es eine normale Gesellschaft,“ die den Frauentag feiere. Sie stellte einige Projekte von ver.di zur Förderung von Frauen in Führungspositionen vor.  Stumpenhusen verwies auch darauf, dass ver.di in einem Entgeltgleichheits-Check festgestellt habe, dass beim Vergleich von Tätigkeiten zwischen Frauen und Männern wesentlich weniger Unterschiede bestünden als in der Bezahlung der Tätigkeiten. Diese Lohnlücke gelte es zu überwinden. Sie lenkte den Blick nach Skandinavien, wo insgesamt eine andere Arbeitszeitkultur herrsche. Frauen wollten schließlich beides: Karriere und Familie. Damit sich insgesamt in der Gesellschaft etwas ändere müssten die Frauen stärker beteiligt werden. Dafür seien gesetzliche Maßnahmen notwendig. Zu diesem Urteil seien mittlerweile vor dem Hintergrund des männlichen Versagens, das die Finanzkrise verursacht habe, auch Trendforscher wie Matthias Horx gekommen. Am Ende ihres Grußworts rief Stumpenhusen die Gäste des Empfangs zur Solidarität mit von Arbeitslosigkeit bedrohten den Schlecker-Mitarbeiterinnen auf.

Ein humorvoller Blick zurück auf die Anfänge der Frauenbewegung

In einer „Femmage“ erinnerten die Historikerin Nikola Müller, die Literaturwissenschaftlerin Isabel Rohner und der Schauspieler Gerd Buurmann an die bekannte Feministin Hedwig Dohm. Die mit ihren feministischen Schriften in den siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts die rechtliche, soziale und ökonomische Gleichberechtigung der Frau forderte. Sie zitierten aus ihren Büchern, in denen sich Dohm mit den mit den Ideologien der „Antifeministen“ ihrer Zeit in humorvoller Sprache auseinander setzte. Die antifeministischen Zitate damaliger Vordenker und Meinungsmacher zeigten deutlich, wie das Frauenbild vor weit über 100 Jahren aussah. Die sogenannte „Natur der Frau“ stellte sie entweder aus biologischen Gründen als dumm und nur für niedere Arbeiten taugliche, charakterschwache Wesen oder als gottgleiche, feenhafte und zerbrechliche Gestalten hin. Müller und Rohner zeigten in ihrem Vortrag, wie geistreich Dohm diese männlichen Konstrukte entlarvte: „Weil die Frauen Kinder gebären, darum sollen sie keine politischen Rechte haben. Ich behaupte: weil die Männer keine Kinder gebären, darum sollen sie keine politischen Rechte haben und ich finde die eine Behauptung mindestens ebenso tiefsinnig wie die andere."

Musikalisch untermalt wurde der Vorabend des Internationalen Frauentages von der Frauenband „Brassappeal“. Später tanzten die Gäste in den 8. März hinein.