Korruption und Spielmanipulation im aktiven Sport, aber auch in der Führung, spielen in den letzten Jahren – vom Spitzensport bis hinunter zum Breitensport in den Vereinen – eine immer größere Rolle. Um gegen die wachsende Kriminalität und das unethische Verhalten im Sport vorzugehen, die die Integrität des Sports und seine positiven Wirkmöglichkeiten bedrohen, sind der Ausbau von guter Regierungsführung (Good Governance) und ein konsequentes Vorgehen gegen Spielmanipulation nötig.
Nur wenn die Führung des Sports mit gutem Beispiel vorangeht, hat sie die nötige Glaubwürdigkeit, um zu ethischem Verhalten anzuhalten. Das ist unerlässlich nicht nur für die Zukunft eines sauberen und fairen Sports, sondern aufgrund des positiven Vorbilds des Sports für die Integrität in der Gesellschaft insgesamt. Jedoch hat die Bundesregierung sich noch nicht zu dieser Problematik geäußert.
In der Kleinen Anfrage „Transparenz und Ethik im Sport“ fordert die SPD-Fraktion die Bundesregierung auf, zu dieser Entwicklung im Sport Stellung zu nehmen. Nachdem bereits die Europäische Union Maßnahmen vorgeschlagen hat, soll nun die Bundesregierung erklären, ob und welche Maßnahmen sie zur Bekämpfung von Spielmanipulation und Förderung von Good Governance plant.
Teil der Anfrage ist auch eine neue Beurteilung von Sportgroßereignissen, um eine transparente und nachhaltige Organisation zu garantieren. Im Bereich des Good Governance wird u. a. gefragt, ob und wann die Vergabe und Abrechnung von Bundesmitteln im Sport zuletzt überarbeitet wurden und ob diese den heutigen Stand von Good Governance entsprechen.
Strafrechtliche Verfolgung oder Prävention?
Die Bundesregierung soll ebenfalls darüber Auskunft geben, weshalb bislang die Offenlegung der Zielvereinbarungen mit den Spitzenverbänden verweigert wird, und wie dies mit den heutigen Standards von Transparenz und Good Governance vereinbar ist. Darauf bezieht sich auch die Frage, ob in Zukunft auch Zielvereinbarungen über die Medaillenziele hinaus veröffentlicht werden.
Weitere Fragen beziehen sich auf die Umsetzung von Good Governance in den beteiligten Bundesbehörden wie dem Bundesinnenministerium und der gezielten Förderung von Good-Governance-Projekten im Breitensport. Zudem fordert die SPD-Fraktion eine Einschätzung der Situation in Deutschland bezüglich Spielmanipulation, sowohl aus sportlicher Perspektive als auch aus Perspektive der Wettbranche. Soll in diesem Zusammenhang stärker auf die strafrechtliche Regulierung und Verfolgung von Spielmanipulation gesetzt werden oder auf eine Prävention durch u. a. einen Verhaltenskodex im Zusammenhang mit Sportwetten?
Der dritte Bereich der Kleinen Anfrage stellt u. a. die Vergabe von Großveranstaltungen wie der WM 2022 nach Katar oder der Formel 1 nach Bahrain in Frage und fordert die Regierung dazu auf, Stellung zur Vergabe an autoritäre Regime und Gigantismus bei Sportstätten zu beziehen.
Auf Ebene der Europäischen Union wurden diese Themen im „EU-Arbeitsplan für die Entwicklung der europäischen Dimension des Sports“ aufgenommen. Unterstützt von einer Expertengruppe wurden bis Ende 2012 Vorschläge erarbeitet, wie innerhalb der Europäischen Union Grundsätze für eine gute Regierungsführung, Transparenz im Sport und Bekämpfung von Spielmanipulation entwickelt und umgesetzt werden können. Das Europäische Parlament und die Europäische Kommission haben ebenfalls die Problematik erkannt und Maßnahmen zur Förderung von guter Regierungsführung und Bekämpfung von kriminellen Organisationen in der Wettbranche gefordert.