Die Entscheidungslösung sieht vor, dass sich jede Bürgerin und jeder Bürger aktiv mit der Frage, ob sie oder er Organe spenden will, befassen soll. Die getroffene eigene Entscheidung ist zu dokumentieren. Ziel ist es, die Zahl der Organspenden in Deutschland zu erhöhen.

Wie groß der Handlungsbedarf ist, machte Frank-Walter Steinmeier deutlich: „Jeden Tag sterben drei Menschen, weil sie nicht rechtzeitig ein Organ erhalten haben. Eine Organspende ist eine Geste der Menschlichkeit, die unserer Gesellschaft gut tut.“

Wenn keine Erklärung des Verstorbenen vorliegt, müssen nach der derzeitigen Rechtslage die Angehörigen im Todesfall entscheiden, ob eine Organspende erfolgen soll oder nicht. Für Carola Reimann ist das ein weiterer Grund für die Entscheidungslösung: „Aktuelle Erhebungen haben gezeigt, dass dies in neun von zehn Fällen so ist. Das führt aber zu einer sehr belastenden Situation, ja zur Überforderung der Angehörigen. Auf der einen Seite ist eine sehr schnelle Entscheidung über die Spende medizinisch geboten, auf der anderen Seite sind Angehörige nach einer Todesnachricht mit ganz anderen Dingen befasst, insbesondere wenn der Tod plötzlich und überraschend eintritt. Diese Situation der Überforderung lässt sich meiner Meinung nach nur vermeiden, wenn man jeden zu Lebzeiten zu seiner Haltung zur Organspende befragt.“

Mit Frank-Walter Steinmeier und Carola Reimann diskutierten Dr. Hubert Binkhoff, Vorsitzender der Bezirksstelle Braunschweig der Ärztekammer Niedersachsen, Ulrike Krupp, katholische Seelsorgerin am Städtischen Klinikum Braunschweig, Dr. Jürgen Peter, Vorstandsvorsitzender der AOK Niedersachsen, und Dr. Martin Willmann, Transplantationsbeauftragter am Braunschweiger Klinikum. Alle sprachen sich wie Steinmeier und Reimann für die Entscheidungslösung als beste Lösung aus.