Martin Dörmann, kultur- und medienpolitischer Sprecher;
Burkhard Blienert, zuständiger Berichterstatter:
Die gestern eröffnete Frankfurter Buchmesse präsentiert Verlage und Literatur in Zeiten umwälzender Veränderungen durch Digitalisierung und Online-Buchhandel. Dieser Wandel darf nicht auf Kosten von Qualität und Vielfalt unserer Buchkultur sowie letztlich auch der Autoren und Verlage gehen.
„Die Frankfurter Buchmesse ist nicht nur weltgrößter Branchentreff und spannender Begegnungsort internationaler Buchkulturen. Die Buchmesse ist auch Schaufenster für die Vielfalt und Qualität des verlegerischen Angebots in Deutschland. In diesem Jahr steht die Frankfurter Buchmesse mehr denn je unter dem Zeichen tiefgreifender Umwälzungen auf dem Buchmarkt. Der zunehmende Anteil der E-Books – bereits jeder Vierte liest elektronisch – und der Trend zum Self-Publishing sind neben dem wachsenden Online-Buchhandel die großen Herausforderungen für die Verlage.
Die neuen Entwicklungen verändern nicht nur Marktanteile, sondern auch die Rahmenbedingungen für literarisches Schaffen und Publizieren. Kulturpolitik muss darauf achten, dass Vielfalt und Qualität der Buchkultur erhalten bleiben und die Urheber von ihrer schöpferischen Leistung profitieren.
Vor diesem Hintergrund unterstützen wir das Anliegen deutscher Autorinnen und Autoren gegenüber Amazon auf gerechte Bezahlung. Der aktuelle Autoren-Protest richtet sich gegen fragwürdige Verhandlungsziele des Online-Händlers, mit denen bei den Verlagen hohe Rabatte auf E-Books durchgesetzt werden sollen, die letztlich zu Lasten der Autoren gehen würden. Ziel von Amazon ist eine weitgehende Dominanz oder gar Monopolstellung in diesem Bereich, die negative Auswirkungen auf die literarische Produktion haben würde. Mit Spannung erwarten wir die anstehende Entscheidung des Bundeskartellamts zur Beschwerde des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels.
Unser Anliegen ist es, den 3500 inhabergeführten Buchhandlungen in Deutschland den Rücken zu stärken. Deshalb haben wir auch mit unserem Koalitionspartner einen Buchpreis für unabhängige Buchhandlungen ins Leben gerufen, der im kommenden Jahr zum ersten Mal vergeben werden soll. Buchhandlungen pflegen nicht nur Qualität und Vielfalt, sie sind auch kultureller Begegnungsort. Sie sind Teil unserer Kulturlandschaft.
Daneben ist die SPD weiterhin wachsam, damit die Verhandlungen zum Transatlantischen Freihandelsabkommen TTIP unsere Buchpreisbindung nicht in Frage stellen. Zudem werden wir uns auf europäischer Ebene weiter für den ermäßigten Mehrwertsteuersatz auch für E-Books einsetzen.
Das sind unsere konkreten Vorhaben, mit denen wir die Rahmenbedingungen für den Buchhandel und das Buch erhalten und verbessern wollen.“